Hans-Martin Schneeberger, Verwaltungsratspräsident der Schneeberger Holding und Präsident des europäischen Dachverbands der Werkzeugmaschinenhersteller CECIMO spricht im Interview über die Bedeutung des europäischen Marktes für die Industrie und die Kündigungsinitiative.

SCHNEEBERGER entwickelt Produkte und Lösungen im Bereich Lineartechnologie. Welche Folgen hätte die Annahme der Kündigungsinitiative für Ihr Unternehmen?

Hans-Martin Schneeberger: Kündigen wir die Personenfreizügigkeit, fallen auch die anderen sechs Abkommen der Bilateralen I weg. Für SCHNEEBERGER und unzählige Betriebe der MEM-Industrie hätte das schwerwiegende Konsequenzen. Wir verlieren den gleichberechtigten Zugang zum EU-Markt mit 450 Millionen Kundinnen und Kunden. Gegenüber unserer ausländischen Konkurrenz würden wir einen gewaltigen Wettbewerbsnachteil erleiden. Die Kündigungsinitiative setzt unzählige Arbeitsplätze fahrlässig aufs Spiel. Tatsache ist: Unsere Industrie ist auf die bilateralen Verträge angewiesen. Ihre Firma exportiert Produkte und Dienstleistungen in die ganze Welt.

Welche Rolle spielt die EU tatsächlich?

Hans-Martin Schneeberger: Für uns ist die EU eindeutig die wichtigste Handelspartnerin. Und das wird sie auch bleiben. Die Schweizer Industrie exportiert 56 Prozent ihrer Güter in die EU. Jeder dritte EU-Exportfranken der Schweizer MEM-Industrie stammt alleine aus den unmittelbaren Nachbarregionen. Sie sind als Absatzmarkt genauso wichtig wie die Wirtschaftsgiganten USA und China zusammen.

Sie sind zudem auch Präsident von CECIMO. Wie profitieren Schweizer Unternehmen von CECIMO und der Zusammenarbeit in Europa?

Hans-Martin Schneeberger: Das Produktionsvolumen von Deutschland ist dreimal grösser als jenes der Schweiz. Unser Nachbarland hat ganz andere Möglichkeiten, technische Lösungen auszuarbeiten. Wir profitieren enorm von diesem Wissen und dem Austausch im Verband, weil wir uns von Beginn weg einbringen können. Ich wünsche mir, dass die Schweizerinnen und Schweizer dem europäischen Projekt eine konstruktive Haltung entgegenbringen.

Das Interview führte der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern und erschien in der Berner Wirtschaft, http://www.bern-cci.ch/assets/files/publikationen/archiv_die_berner_wirtschaft/magazin_2020-01.pdf

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